Was tun bei einem Brief von der Krankenkasse?

Ein Brief von der Krankenkasse kann unterschiedliche Gründe haben. Manchmal fehlen nur Unterlagen. Es kann aber auch um Beiträge, eine Kostenübernahme, Krankengeld, eine Rückforderung oder die Ablehnung einer Leistung gehen.

Legen Sie das Schreiben nicht einfach beiseite. Lesen Sie es in Ruhe und prüfen Sie Schritt für Schritt, was von Ihnen verlangt wird.

1. Schreiben vollständig lesen

Achten Sie besonders auf:

  • Datum des Schreibens
  • Name der Krankenkasse
  • Versichertennummer
  • Aktenzeichen oder Vorgangsnummer
  • Betreff
  • geforderte Unterlagen
  • genannte Fristen
  • mögliche Zahlungsforderung
  • Hinweise auf eine Entscheidung oder Ablehnung
  • Rechtsbehelfsbelehrung, falls vorhanden

Prüfen Sie auch, ob mehrere Seiten oder Anlagen zum Schreiben gehören.

2. Worum geht es in dem Schreiben?

Ein Schreiben von der Krankenkasse kann zum Beispiel folgende Themen betreffen:

  • fehlende Unterlagen
  • Versicherungsstatus
  • Beiträge
  • Krankengeld
  • Kostenübernahme für eine Behandlung
  • Hilfsmittel
  • Reha oder Therapie
  • Haushaltshilfe
  • Pflegeleistungen
  • Rückforderung
  • Ablehnung eines Antrags
  • Änderung persönlicher Daten
  • Rückfrage zu einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Markieren Sie am besten die wichtigsten Stellen im Brief.

3. Frist sofort notieren

Wenn im Schreiben eine Frist genannt wird, tragen Sie diese sofort in Ihren Kalender ein.

Schreiben Sie sich zusätzlich einige Tage vorher eine Erinnerung auf.

Wenn Sie Unterlagen nicht rechtzeitig beschaffen können, teilen Sie dies der Krankenkasse möglichst frühzeitig schriftlich mit und bitten Sie um eine angemessene Fristverlängerung.

4. Wenn Unterlagen verlangt werden

Prüfen Sie genau, welche Unterlagen benötigt werden.

Das können zum Beispiel sein:

  • ärztliche Bescheinigung
  • Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
  • Arztbericht
  • Krankenhausbericht
  • Reha-Bericht
  • Einkommensnachweis
  • Zahlungsnachweis
  • Antrag
  • Rechnung
  • Verordnung
  • Nachweis über eine Behandlung
  • weitere Bescheinigungen

Reichen Sie möglichst nur die verlangten Unterlagen ein.

Wenn Sie Unterlagen per Post verschicken, behalten Sie eine Kopie für Ihre eigenen Unterlagen.

5. Wenn eine Zahlung verlangt wird

Prüfen Sie zuerst:

  • Wofür wird Geld verlangt?
  • Welcher Zeitraum ist betroffen?
  • Stimmt der Betrag?
  • Wurde bereits etwas bezahlt?
  • Gibt es einen Zahlungsnachweis?
  • Ist die Forderung verständlich erklärt?
  • Wurde eine Zahlungsfrist genannt?

Wenn die Forderung unklar ist, bitten Sie schriftlich um eine nachvollziehbare Aufstellung.

Musterformulierung: Bitte um Erklärung einer Forderung

Sehr geehrte Damen und Herren,

bezugnehmend auf Ihr Schreiben vom ___________________________ bitte ich um eine nachvollziehbare schriftliche Aufstellung der genannten Forderung.

Versichertennummer: ___________________________
Aktenzeichen / Vorgangsnummer: ___________________________

Bitte teilen Sie mir mit:

  • worauf sich die Forderung bezieht
  • welcher Zeitraum betroffen ist
  • wie sich der Betrag zusammensetzt
  • welche Zahlungen bereits berücksichtigt wurden

Mit freundlichen Grüßen


Unterschrift

6. Wenn ein Antrag abgelehnt wurde

Wenn die Krankenkasse eine Leistung ablehnt, lesen Sie den Bescheid vollständig.

Prüfen Sie besonders:

  • Welche Leistung wurde abgelehnt?
  • Wie wird die Ablehnung begründet?
  • Gibt es eine Rechtsbehelfsbelehrung?
  • Welche Frist gilt?
  • Welche Unterlagen könnten noch fehlen?
  • Können Arztberichte oder weitere Nachweise hilfreich sein?

Wenn Sie mit der Entscheidung nicht einverstanden sind, kann ein Widerspruch geprüft werden.

Bei einer Ablehnung durch die Krankenkasse gilt grundsätzlich eine Widerspruchsfrist von einem Monat nach Zugang des Bescheides. Warten Sie trotzdem nicht bis zum letzten Tag. Reagieren Sie möglichst frühzeitig.

Musterformulierung: Fristwahrender Widerspruch

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit lege ich Widerspruch gegen Ihren Bescheid vom ___________________________ ein.

Versichertennummer: ___________________________
Aktenzeichen / Vorgangsnummer: ___________________________

Eine ausführliche Begründung und weitere Unterlagen reiche ich nach, falls erforderlich.

Bitte bestätigen Sie mir den Eingang meines Widerspruchs schriftlich.

Mit freundlichen Grüßen


Unterschrift

7. Wenn das Schreiben unklar ist

Wenn Sie nicht verstehen, was von Ihnen verlangt wird, fragen Sie schriftlich nach.

Musterformulierung: Bitte um schriftliche Auskunft

Sehr geehrte Damen und Herren,

bezugnehmend auf Ihr Schreiben vom ___________________________ bitte ich um eine verständliche schriftliche Erklärung.

Versichertennummer: ___________________________
Aktenzeichen / Vorgangsnummer: ___________________________

Bitte teilen Sie mir mit, welche Angaben oder Unterlagen noch benötigt werden und welche Frist ich beachten muss.

Mit freundlichen Grüßen


Unterschrift

8. Telefonate dokumentieren

Wenn Sie bei der Krankenkasse anrufen, notieren Sie:

  • Datum
  • Uhrzeit
  • Name der Gesprächsperson
  • Abteilung
  • Inhalt des Gesprächs
  • vereinbarte nächste Schritte
  • neue Fristen

Wichtige Aussagen sollten Sie sich möglichst schriftlich bestätigen lassen.

9. Schriftlich reagieren und Nachweis sichern

Bei wichtigen Angelegenheiten sollten Sie nicht nur telefonisch reagieren.

Bewahren Sie auf:

  • Schreiben der Krankenkasse
  • eigene Antwort
  • Unterlagen und Nachweise
  • Kopien
  • Versandnachweis
  • Eingangsbestätigung
  • Gesprächsnotizen
  • spätere Antworten der Krankenkasse

10. Wann sollte man sich Hilfe holen?

Holen Sie sich fachkundige Unterstützung, wenn:

  • eine wichtige Leistung abgelehnt wurde
  • Krankengeld betroffen ist
  • eine hohe Rückforderung verlangt wird
  • eine Frist bald abläuft
  • Sie den Bescheid nicht verstehen
  • die Krankenkasse trotz mehrerer Schreiben nicht reagiert
  • medizinische Unterlagen bewertet werden müssen
  • eine Klage oder weitere rechtliche Schritte geprüft werden sollen

Kurz zusammengefasst

Wenn Sie einen Brief von der Krankenkasse erhalten:

  1. Schreiben vollständig lesen
  2. Versichertennummer und Aktenzeichen notieren
  3. Frist sofort in den Kalender eintragen
  4. prüfen, was verlangt wird
  5. Unterlagen geordnet sammeln
  6. bei unklaren Forderungen schriftlich nachfragen
  7. bei Ablehnung die Widerspruchsfrist beachten
  8. schriftlich reagieren
  9. Kopien und Nachweise aufbewahren
  10. bei wichtigen Fragen fachkundige Hilfe einholen

Hinweis

Diese Seite enthält keine Rechtsberatung, keine medizinische Beratung und keine Sozialberatung. Sie dient lediglich als Orientierung für einfache Schreiben und Behördengänge. Je nach Krankenkasse, Anliegen und persönlicher Situation können weitere Schritte erforderlich sein. Bei wichtigen Fristen, Ablehnungen, hohen Rückforderungen oder rechtlichen Fragen sollte fachkundige Beratung eingeholt werden.

Bei einem ablehnenden Bescheid der Krankenkasse gilt grundsätzlich eine Widerspruchsfrist von einem Monat. Ein Widerspruch kann zunächst kurz und fristwahrend eingelegt werden; die ausführliche Begründung lässt sich nachreichen. Die Krankenkasse muss in ihrem Bescheid auf die Frist hinweisen. (Verbraucherzentrale.de)