Eine angedrohte Stromsperre sollte nicht ignoriert werden.
Reagieren Sie sofort. Je früher Sie Kontakt mit dem Stromanbieter aufnehmen, desto größer ist die Chance, eine Abschaltung zu verhindern.
Prüfen Sie genau, welche Forderung offen ist und wann die Stromversorgung gesperrt werden soll.
Was bedeutet eine Stromsperre?
Bei einer Stromsperre wird die Stromversorgung vorübergehend unterbrochen.
Das kann passieren, wenn Rechnungen oder monatliche Abschläge trotz Mahnung nicht bezahlt wurden.
Eine Sperrung kann erhebliche Folgen haben. Licht, Kühlschrank, Herd, Waschmaschine und andere Geräte funktionieren dann nicht mehr.
Deshalb sollte man bereits auf eine Sperrandrohung sofort reagieren.
Schreiben sorgfältig prüfen
Achten Sie besonders auf folgende Punkte:
- Name des Stromanbieters,
- Kundennummer,
- Vertragsnummer,
- Zählernummer,
- Höhe der offenen Forderung,
- betroffener Zeitraum,
- Datum der Sperrandrohung,
- angekündigter Sperrtermin,
- Kosten für Sperrung und Entsperrung,
- angebotene Zahlungsmöglichkeiten und
- Kontaktdaten für Rückfragen.
Bewahren Sie das Schreiben und den Briefumschlag gut auf.
Wann darf der Strom gesperrt werden?
Eine Stromsperre darf nicht sofort erfolgen.
Vor einer Sperrung müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.
Bei Haushaltskunden muss die Sperrung grundsätzlich:
- mindestens vier Wochen vorher angedroht und
- zusätzlich acht Werktage vor der tatsächlichen Abschaltung schriftlich angekündigt werden.
Der Zahlungsrückstand muss grundsätzlich:
- mindestens 100 Euro betragen und
- mindestens doppelt so hoch wie der monatliche Abschlag sein.
Eine Sperrung muss außerdem verhältnismäßig sein.
Kontoauszüge und Rechnungen prüfen
Prüfen Sie, ob die Forderung richtig ist.
Vergleichen Sie:
- Rechnungen,
- Abschläge,
- Kontoauszüge,
- Überweisungsbelege,
- Lastschriften,
- Mahnungen und
- Zählerstände.
Achten Sie darauf, ob Zahlungen möglicherweise nicht richtig zugeordnet wurden.
Wenn Sie bereits bezahlt haben, senden Sie dem Stromanbieter sofort einen Zahlungsnachweis.
Schwärzen Sie auf einem Kontoauszug alle Buchungen, die mit der Sache nichts zu tun haben.
Zählerstand prüfen
Bei einer ungewöhnlich hohen Forderung sollten Sie den Zählerstand kontrollieren.
Vergleichen Sie:
- Zählernummer auf der Rechnung,
- aktuellen Zählerstand,
- angegebenen Zählerstand,
- Verbrauch im Vorjahr und
- mögliche Schätzung des Verbrauchs.
Machen Sie ein Foto vom Zähler, auf dem Zählernummer und Zählerstand gut erkennbar sind.
Wenn ein Fehler vorliegt, teilen Sie dem Stromanbieter den richtigen Zählerstand schriftlich mit.
Sofort Kontakt mit dem Stromanbieter aufnehmen
Nehmen Sie möglichst schnell schriftlich Kontakt auf.
Teilen Sie mit:
- Kundennummer,
- Vertragsnummer,
- offene Forderung,
- Ihre aktuelle Situation und
- Ihren Lösungsvorschlag.
Bitten Sie um eine schriftliche Bestätigung.
Telefonieren Sie zusätzlich, wenn der Sperrtermin kurz bevorsteht. Verlassen Sie sich aber nicht nur auf ein Telefonat.
Ratenzahlung oder Stundung beantragen
Wenn Sie die Forderung nicht sofort vollständig bezahlen können, bitten Sie um:
- Ratenzahlung,
- Stundung oder
- realistischen Zahlungsplan.
Schlagen Sie nur Beträge vor, die Sie voraussichtlich auch einhalten können.
Beachten Sie: Neben den vereinbarten Raten müssen normalerweise auch die laufenden Abschläge weiterbezahlt werden.
Abwendungsvereinbarung bei Grundversorgung
Wenn Sie Strom über die Grundversorgung beziehen, können Sie eine Abwendungsvereinbarung verlangen.
Damit soll eine Sperrung verhindert werden.
Die Vereinbarung enthält in der Regel:
- Ratenzahlung für die offenen Beträge,
- weitere Versorgung mit Strom,
- Zahlung der laufenden Abschläge und
- Rückzahlung ohne zusätzliche Zinsen.
Wenn Ihnen eine Sperre angedroht wurde, bitten Sie Ihren Grundversorger sofort schriftlich um eine Abwendungsvereinbarung.
Nehmen Sie das Angebot rechtzeitig an und halten Sie die vereinbarten Raten ein.
Was tun bei Krankheit oder medizinischen Geräten?
Eine Sperrung kann unverhältnismäßig sein, wenn dadurch eine konkrete Gefahr für Leib oder Leben entsteht.
Das kann zum Beispiel wichtig sein, wenn:
- ein lebensnotwendiges medizinisches Gerät Strom benötigt,
- ein Haushaltsmitglied schwer krank ist oder
- eine besondere gesundheitliche Gefahr besteht.
Teilen Sie dies dem Stromanbieter sofort schriftlich mit.
Reichen Sie eine ärztliche Bescheinigung oder andere geeignete Nachweise ein.
Warten Sie nicht bis zum Sperrtermin.
Unterstützung beim Jobcenter oder Sozialamt
Wenn Sie die Stromschulden nicht selbst bezahlen können, wenden Sie sich sofort an:
- Jobcenter,
- Sozialamt,
- Schuldnerberatungsstelle,
- Verbraucherzentrale oder
- soziale Beratungsstelle.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann geprüft werden, ob Energieschulden übernommen oder als Darlehen berücksichtigt werden können.
Nehmen Sie folgende Unterlagen mit:
- Sperrandrohung,
- Stromrechnung,
- Mahnungen,
- Kontoauszüge,
- Einkommensnachweise,
- Leistungsbescheide,
- Mietvertrag und
- Nachweise über regelmäßige Ausgaben.
Verbraucherbeschwerde einreichen
Wenn die Forderung falsch erscheint und der Anbieter nicht reagiert, können Sie schriftlich eine Verbraucherbeschwerde einreichen.
Schreiben Sie in den Betreff:
Verbraucherbeschwerde nach § 111a EnWG
Beschreiben Sie das Problem möglichst genau.
Geben Sie an:
- Kundennummer,
- Vertragsnummer,
- Zählernummer,
- betroffene Rechnung,
- beanstandeten Betrag,
- Ihre bisherigen Schreiben und
- gewünschte Lösung.
Bewahren Sie eine Kopie und einen Versandnachweis auf.
Schlichtungsstelle Energie prüfen
Wenn der Stromanbieter auf Ihre Verbraucherbeschwerde nicht innerhalb der vorgesehenen Frist reagiert oder keine Lösung anbietet, können Sie sich an die Schlichtungsstelle Energie wenden.
Das Verfahren ist für Verbraucher grundsätzlich kostenfrei.
Bewahren Sie Ihre vorherige Beschwerde und den Nachweis über den Versand auf.
Was tun, wenn der Strom bereits gesperrt wurde?
Wenn der Strom bereits abgeschaltet wurde, nehmen Sie sofort Kontakt mit dem Anbieter auf.
Fragen Sie schriftlich:
- Welcher Betrag ist noch offen?
- Welche Kosten sind für Sperrung und Entsperrung entstanden?
- Welche Zahlung ist für die Freischaltung erforderlich?
- Wann kann der Anschluss wieder freigeschaltet werden?
- Welche weiteren Unterlagen werden benötigt?
Holen Sie sich zusätzlich Unterstützung bei einer Beratungsstelle.
Eine bereits erfolgte Sperrung verursacht häufig zusätzliche Kosten. Deshalb ist es besser, möglichst frühzeitig zu reagieren.
Welche Unterlagen sollte man aufbewahren?
Sammeln Sie insbesondere:
- Stromvertrag,
- Sperrandrohung,
- konkrete Sperrankündigung,
- Rechnungen,
- Mahnungen,
- Kontoauszüge,
- Zahlungsbelege,
- Fotos vom Zählerstand,
- Kundennummer,
- Vertragsnummer,
- Zählernummer,
- Schriftverkehr mit dem Anbieter,
- Ratenzahlungsvereinbarung,
- Abwendungsvereinbarung,
- ärztliche Nachweise,
- Schreiben an Jobcenter oder Sozialamt,
- Eingangsbestätigungen und
- Versandnachweise.
Was sollte man nicht tun?
- Sperrandrohung nicht ignorieren.
- Zahlungsfrist nicht verstreichen lassen.
- Nicht nur telefonisch reagieren.
- Keine unrealistischen Raten vereinbaren.
- Laufende Abschläge nicht vergessen.
- Medizinische Härtefälle nicht verschweigen.
- Keine Originalunterlagen ohne Grund verschicken.
- Zahlungsbelege und Versandnachweise nicht wegwerfen.
- Bei finanziellen Problemen nicht zu lange warten.
Wichtig
Diese Seite gibt eine erste Orientierung.
Ob eine Stromsperre zulässig ist und welche Schritte notwendig sind, hängt vom Einzelfall ab.
Reagieren Sie sofort, wenn eine Sperre angedroht wurde. Holen Sie sich frühzeitig Unterstützung, wenn Sie die Forderung nicht bezahlen können.
Kurz zusammengefasst
Prüfen Sie Sperrandrohung, Rechnungen und Kontoauszüge sorgfältig. Nehmen Sie sofort schriftlich Kontakt mit dem Stromanbieter auf. Beantragen Sie bei Bedarf eine Ratenzahlung oder Stundung. Wenn Sie Strom über die Grundversorgung beziehen, verlangen Sie eine Abwendungsvereinbarung. Holen Sie sich bei finanziellen Schwierigkeiten Unterstützung beim Jobcenter, Sozialamt oder einer Beratungsstelle.
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