Eine ungewöhnlich hohe Stromrechnung sollte sorgfältig geprüft werden.
Zahlen Sie eine unklare Nachforderung nicht ungeprüft. Vergleichen Sie die Angaben auf der Rechnung mit Ihren eigenen Unterlagen und lesen Sie den aktuellen Zählerstand ab.
Bewahren Sie die Rechnung, frühere Abrechnungen und alle Zahlungsnachweise gut auf.
Warum kann die Stromrechnung plötzlich höher sein?
Eine hohe Stromrechnung kann unterschiedliche Ursachen haben.
Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn:
- der Stromverbrauch gestiegen ist,
- ein Zählerstand geschätzt wurde,
- ein falscher Zählerstand verwendet wurde,
- die Zählernummer nicht stimmt,
- der Strompreis erhöht wurde,
- ein Tarif oder Bonus ausgelaufen ist,
- monatliche Abschläge zu niedrig waren,
- Zahlungen nicht richtig berücksichtigt wurden,
- zusätzliche Personen im Haushalt leben,
- neue Geräte angeschafft wurden oder
- ein technischer Defekt vorliegt.
Prüfen Sie deshalb zuerst, wie sich der Betrag zusammensetzt.
Rechnung vollständig lesen
Achten Sie besonders auf folgende Angaben:
- Name des Stromanbieters,
- Kundennummer,
- Vertragsnummer,
- Zählernummer,
- Abrechnungszeitraum,
- Anfangszählerstand,
- Endzählerstand,
- Stromverbrauch in Kilowattstunden,
- Grundpreis,
- Arbeitspreis,
- berücksichtigte Abschlagszahlungen,
- Guthaben oder Nachzahlung,
- neue Höhe des monatlichen Abschlags und
- Zahlungsfrist.
Vergleichen Sie die Rechnung mit Ihrer vorherigen Jahresabrechnung.
Zählernummer prüfen
Prüfen Sie, ob die Zählernummer auf der Rechnung mit der Nummer auf Ihrem Stromzähler übereinstimmt.
Die Zählernummer befindet sich direkt auf dem Gerät.
Wenn die Nummer nicht stimmt, kann möglicherweise der Verbrauch eines falschen Zählers abgerechnet worden sein.
Machen Sie ein Foto vom Stromzähler, auf dem die Zählernummer und der aktuelle Stand gut erkennbar sind.
Zählerstand ablesen und vergleichen
Lesen Sie den aktuellen Zählerstand ab.
Vergleichen Sie ihn mit dem Endzählerstand auf der Rechnung.
Prüfen Sie:
- Ist der Stand auf der Rechnung höher als der aktuelle Stand?
- Wurde der Zählerstand richtig übertragen?
- Wurde möglicherweise eine Zahl vertauscht?
- Passt der Verbrauch ungefähr zu Ihrem bisherigen Verbrauch?
- Wurde der Verbrauch abgelesen oder geschätzt?
Machen Sie ein Foto des aktuellen Zählerstands und bewahren Sie es auf.
Wurde der Verbrauch geschätzt?
Prüfen Sie, ob auf der Rechnung ein geschätzter Zählerstand verwendet wurde.
Eine Schätzung muss auf der Rechnung erkennbar sein. Der Anbieter muss außerdem angeben, warum geschätzt wurde und welche Grundlage für die Schätzung verwendet wurde.
Wenn die Schätzung deutlich vom tatsächlichen Zählerstand abweicht, teilen Sie dem Stromanbieter den richtigen Stand schriftlich mit.
Bitten Sie um eine korrigierte Rechnung.
Abschlagszahlungen prüfen
Vergleichen Sie Ihre Kontoauszüge mit der Abrechnung.
Prüfen Sie:
- Wurden alle monatlichen Abschläge berücksichtigt?
- Gab es Rückbuchungen?
- Wurde ein Dauerauftrag rechtzeitig angepasst?
- Wurden Zahlungen auf das richtige Konto überwiesen?
- War der Verwendungszweck korrekt?
- Wurde ein Guthaben aus dem Vorjahr berücksichtigt?
Wenn Zahlungen fehlen, senden Sie dem Anbieter Kopien geeigneter Zahlungsnachweise.
Schwärzen Sie auf Kontoauszügen alle Buchungen, die mit der Stromrechnung nichts zu tun haben.
Strompreis prüfen
Prüfen Sie, ob sich der Preis verändert hat.
Achten Sie auf:
- Arbeitspreis pro Kilowattstunde,
- Grundpreis,
- Zeitpunkt einer Preisänderung,
- frühere Schreiben des Anbieters,
- Tarifwechsel,
- ausgelaufenen Bonus und
- mögliche Vertragsänderungen.
Vergleichen Sie den berechneten Preis mit Ihrem Vertrag und früheren Mitteilungen.
Wenn eine Preisänderung unklar ist, bitten Sie schriftlich um Erläuterung.
Eigenen Verbrauch prüfen
Vergleichen Sie Ihren Stromverbrauch mit den Vorjahren.
Ein höherer Verbrauch kann zum Beispiel entstehen durch:
- zusätzliche Personen im Haushalt,
- häufigere Nutzung von Elektrogeräten,
- neuen Kühlschrank oder Gefrierschrank,
- elektrische Heizung,
- Warmwasserbereitung mit Strom,
- Trockner,
- Klimagerät,
- Aquarium,
- Homeoffice,
- alte oder defekte Geräte oder
- unbemerkten Dauerverbrauch.
Notieren Sie den Zählerstand regelmäßig, zum Beispiel einmal im Monat.
So können Sie leichter erkennen, ob der Verbrauch ungewöhnlich schnell steigt.
Technischen Defekt prüfen
Wenn der Stromverbrauch ohne erkennbaren Grund stark gestiegen ist, prüfen Sie mögliche technische Ursachen.
Das können zum Beispiel sein:
- defekter Kühlschrank,
- defekte Gefriertruhe,
- alter Durchlauferhitzer,
- elektrische Heizung,
- fehlerhafte Warmwasserbereitung,
- Gerät im Dauerbetrieb,
- defekte Steckdose oder
- anderer technischer Fehler.
Bei Unsicherheit kann eine Elektrofachkraft oder Energieberatung helfen.
Was tun, wenn die Rechnung falsch erscheint?
Wenn Sie einen Fehler vermuten, schreiben Sie dem Stromanbieter.
Geben Sie an:
- Kundennummer,
- Vertragsnummer,
- Zählernummer,
- Datum der Rechnung,
- beanstandeten Betrag,
- richtigen Zählerstand,
- genaue Beschreibung des Fehlers und
- beigefügte Nachweise.
Bitten Sie um:
- schriftliche Überprüfung,
- nachvollziehbare Berechnung,
- korrigierte Rechnung und
- Anpassung des monatlichen Abschlags, falls erforderlich.
Bewahren Sie eine Kopie und einen Nachweis über den Versand auf.
Muss die Rechnung trotzdem bezahlt werden?
Ignorieren Sie eine Rechnung nicht.
Wenn Sie die Forderung für falsch halten, widersprechen Sie möglichst schnell schriftlich und erklären Sie genau, welche Angaben Sie beanstanden.
Prüfen Sie, ob ein unstrittiger Teilbetrag bezahlt werden kann.
Wenn Sie unsicher sind, holen Sie sich Unterstützung bei einer Verbraucherzentrale oder Beratungsstelle.
Warten Sie nicht einfach ab, bis Mahnungen entstehen.
Was tun bei einer hohen Nachzahlung?
Wenn die Nachforderung richtig ist, Sie den Betrag aber nicht vollständig bezahlen können, nehmen Sie sofort Kontakt mit dem Stromanbieter auf.
Bitten Sie schriftlich um:
- Ratenzahlung,
- Stundung,
- realistischen Zahlungsplan oder
- Anpassung der monatlichen Abschläge.
Schlagen Sie nur Raten vor, die Sie voraussichtlich einhalten können.
Beachten Sie: Zusätzlich zu einer vereinbarten Rate müssen normalerweise auch die laufenden Abschläge bezahlt werden.
Neuen Abschlag prüfen
Nach einer Jahresabrechnung setzt der Stromanbieter häufig einen neuen monatlichen Abschlag fest.
Prüfen Sie, ob der neue Betrag zu Ihrem tatsächlichen Verbrauch passt.
Wenn der Abschlag zu hoch oder zu niedrig erscheint, bitten Sie schriftlich um Überprüfung.
Ein zu niedriger Abschlag kann später erneut zu einer hohen Nachzahlung führen.
Ein zu hoher Abschlag belastet Ihren monatlichen Haushalt unnötig.
Was tun bei finanziellen Schwierigkeiten?
Wenn Sie die Nachforderung nicht aus eigenen Mitteln bezahlen können, holen Sie sich frühzeitig Unterstützung.
Mögliche Ansprechpartner sind:
- Jobcenter,
- Sozialamt,
- Schuldnerberatungsstelle,
- Verbraucherzentrale,
- soziale Beratungsstelle oder
- Energieberatung.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann geprüft werden, ob Energieschulden als Darlehen berücksichtigt werden können.
Warten Sie nicht bis zu einer Mahnung oder Sperrandrohung.
Verbraucherbeschwerde einreichen
Wenn der Stromanbieter auf Ihre schriftliche Anfrage nicht reagiert oder die Rechnung weiterhin unklar bleibt, können Sie eine schriftliche Verbraucherbeschwerde einreichen.
Schreiben Sie in den Betreff:
Verbraucherbeschwerde nach § 111a EnWG
Geben Sie an:
- Name und Anschrift,
- Kundennummer,
- Vertragsnummer,
- Zählernummer,
- Datum der Rechnung,
- beanstandeten Betrag,
- genaue Beschreibung des Problems,
- bereits eingereichte Nachweise und
- gewünschte Lösung.
Bewahren Sie eine Kopie und einen Versandnachweis auf.
Schlichtungsstelle Energie prüfen
Wenn der Stromanbieter auf Ihre Verbraucherbeschwerde nicht innerhalb von vier Wochen reagiert oder keine zufriedenstellende Lösung anbietet, können Sie sich an die Schlichtungsstelle Energie wenden.
Das Verfahren ist für Verbraucher grundsätzlich kostenfrei.
Bewahren Sie Ihre Beschwerde und den Nachweis über den Versand sorgfältig auf.
Welche Unterlagen sollte man aufbewahren?
Sammeln Sie insbesondere:
- Stromvertrag,
- aktuelle Rechnung,
- frühere Jahresabrechnungen,
- Kontoauszüge,
- Zahlungsbelege,
- Fotos vom Stromzähler,
- Kundennummer,
- Vertragsnummer,
- Zählernummer,
- Schreiben über Preisänderungen,
- Schriftverkehr mit dem Anbieter,
- Antrag auf Ratenzahlung,
- Eingangsbestätigungen und
- Versandnachweise.
Was sollte man nicht tun?
- Hohe Rechnung nicht ungeprüft bezahlen.
- Rechnung nicht einfach ignorieren.
- Zahlungsfrist nicht verstreichen lassen.
- Zählerstand nicht ohne Foto übermitteln.
- Nicht nur telefonisch reklamieren.
- Keine unrealistischen Raten vereinbaren.
- Laufende Abschläge nicht vergessen.
- Keine Originalunterlagen ohne Grund verschicken.
- Zahlungsnachweise und Versandbelege nicht wegwerfen.
Wichtig
Diese Seite gibt eine erste Orientierung.
Ob die Rechnung richtig ist und welche Schritte notwendig sind, hängt vom Einzelfall ab.
Prüfen Sie Zählernummer, Zählerstand, Verbrauch, Preis und berücksichtigte Abschläge sorgfältig. Reagieren Sie schriftlich, wenn etwas unklar ist.
Kurz zusammengefasst
Vergleichen Sie die Stromrechnung mit Ihren früheren Abrechnungen und Kontoauszügen. Lesen Sie den Zählerstand ab und fotografieren Sie ihn. Prüfen Sie, ob der Verbrauch geschätzt wurde und ob alle Zahlungen berücksichtigt wurden. Wenn die Rechnung unklar oder falsch erscheint, bitten Sie den Anbieter schriftlich um Überprüfung und Korrektur.
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Dafür gibt es den passenden Musterbrief:
Musterbrief: Bitte um Überprüfung und Korrektur einer hohen Stromrechnung
Der Musterbrief kann heruntergeladen, ausgefüllt und an den Stromanbieter geschickt werden.
Preis für den Download: 2,90 Euro