Wenn eine Versicherung den Beitrag erhöht, sollte das Schreiben sorgfältig geprüft werden.
Vergleichen Sie den bisherigen Beitrag mit dem neuen Betrag. Prüfen Sie außerdem, ab wann die Erhöhung gelten soll und ob sich gleichzeitig der Versicherungsschutz verändert.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Sonderkündigungsrecht bestehen.
Welche Versicherung ist betroffen?
Eine Beitragserhöhung kann unterschiedliche Versicherungen betreffen.
Das kann zum Beispiel sein:
- Haftpflichtversicherung,
- Hausratversicherung,
- Wohngebäudeversicherung,
- Kfz-Versicherung,
- Rechtsschutzversicherung,
- Unfallversicherung,
- private Krankenversicherung,
- Zahnzusatzversicherung,
- Tierhalterhaftpflichtversicherung oder
- andere Versicherung.
Suchen Sie Ihren Versicherungsvertrag und die Versicherungsnummer heraus.
Schreiben vollständig lesen
Achten Sie besonders auf folgende Punkte:
- Name der Versicherung,
- Versicherungsnummer,
- bisheriger Beitrag,
- neuer Beitrag,
- Höhe der Erhöhung,
- Zeitpunkt der Erhöhung,
- Zahlungsweise,
- Begründung,
- Änderung des Versicherungsschutzes,
- Hinweis auf ein Kündigungsrecht und
- genannte Frist.
Bewahren Sie das Schreiben und den Briefumschlag gut auf.
Notieren Sie, an welchem Tag der Brief angekommen ist.
Bisherigen und neuen Beitrag vergleichen
Schreiben Sie die Beträge übersichtlich auf.
Zum Beispiel:
Bisheriger Beitrag:
[Betrag] Euro monatlich oder jährlich
Neuer Beitrag:
[Betrag] Euro monatlich oder jährlich
Erhöhung ab:
[Datum]
Prüfen Sie, wie stark der Beitrag tatsächlich steigt.
Achten Sie darauf, ob der Anbieter einen Monatsbeitrag oder einen Jahresbeitrag nennt.
Warum wurde der Beitrag erhöht?
Eine Beitragserhöhung kann unterschiedliche Gründe haben.
Das kann zum Beispiel sein:
- allgemeine Beitragsanpassung,
- gestiegene Kosten,
- veränderte Schadenentwicklung,
- geänderte Tarifbedingungen,
- höhere Versicherungssumme,
- Erweiterung des Versicherungsschutzes,
- geänderte persönliche Angaben,
- Umzug,
- Fahrzeugwechsel,
- Änderung der Schadenfreiheitsklasse,
- Wegfall eines Rabatts oder
- andere Anpassung.
Bitten Sie bei Unklarheiten schriftlich um eine nachvollziehbare Erläuterung.
Versicherungsschutz prüfen
Prüfen Sie, ob sich gleichzeitig der Umfang des Versicherungsschutzes verändert.
Achten Sie zum Beispiel auf:
- Versicherungssumme,
- Selbstbeteiligung,
- mitversicherte Personen,
- versicherte Gegenstände,
- ausgeschlossene Risiken,
- Zusatzleistungen,
- Tarifname und
- Laufzeit.
Vergleichen Sie das neue Schreiben mit Ihrem bisherigen Vertrag.
Sonderkündigungsrecht prüfen
Wenn die Versicherung den Beitrag erhöht, ohne den Versicherungsschutz entsprechend zu erweitern, kann grundsätzlich ein Sonderkündigungsrecht bestehen.
Die Kündigung muss in diesem Fall grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Zugang der Mitteilung bei der Versicherung eingehen.
Die Kündigung kann mit sofortiger Wirkung erfolgen, frühestens jedoch zu dem Zeitpunkt, an dem die Beitragserhöhung wirksam wird.
Die Versicherung sollte in ihrem Schreiben auf dieses Kündigungsrecht hinweisen.
Warten Sie nicht bis zum letzten Tag.
Gilt das Sonderkündigungsrecht bei jeder Erhöhung?
Nicht jede Veränderung des Zahlbetrags führt automatisch zu einem Sonderkündigungsrecht.
Prüfen Sie genau, warum der Beitrag steigt.
Ein Sonderkündigungsrecht kann möglicherweise nicht oder nicht ohne Weiteres bestehen, wenn sich der Betrag zum Beispiel verändert wegen:
- Erweiterung des Versicherungsschutzes,
- Änderung persönlicher Angaben,
- Fahrzeugwechsel,
- geänderter Schadenfreiheitsklasse,
- höherer Fahrleistung,
- Umzug,
- Wegfall eines vereinbarten Rabatts oder
- anderer Änderungen Ihrer persönlichen Situation.
Bitten Sie bei Unklarheiten schriftlich um eine Erklärung.
Besondere Versicherungen beachten
Für bestimmte Versicherungsarten können besondere Regeln gelten.
Das betrifft zum Beispiel:
- private Krankenversicherung,
- Lebensversicherung,
- Rentenversicherung,
- Kfz-Haftpflichtversicherung,
- Pflichtversicherung oder
- langfristige Versicherungsverträge.
Kündigen Sie einen wichtigen Vertrag nicht vorschnell.
Prüfen Sie zuerst, ob ein neuer Versicherungsschutz benötigt wird und ob ein Wechsel tatsächlich sinnvoll ist.
Kfz-Versicherung besonders sorgfältig prüfen
Bei einer Kfz-Haftpflichtversicherung darf kein Fahrzeug ohne erforderlichen Versicherungsschutz genutzt werden.
Wenn Sie wegen einer Beitragserhöhung wechseln möchten, kümmern Sie sich rechtzeitig um einen neuen Vertrag.
Prüfen Sie:
- Beginn des neuen Versicherungsschutzes,
- Kündigungsfrist,
- Versicherungsbestätigung,
- Schadenfreiheitsklasse,
- Beitrag,
- Selbstbeteiligung und
- enthaltene Leistungen.
Kündigen Sie erst, wenn der weitere Versicherungsschutz geklärt ist.
Private Krankenversicherung nicht vorschnell kündigen
Bei einer privaten Krankenversicherung sollte eine Kündigung besonders sorgfältig geprüft werden.
Kündigen Sie nicht vorschnell.
Prüfen Sie vorher:
- ob ein Tarifwechsel innerhalb der Versicherung möglich ist,
- ob eine neue Versicherung Sie aufnimmt,
- ob Gesundheitsfragen beantwortet werden müssen,
- ob Altersrückstellungen betroffen sind,
- welcher Versicherungsschutz später besteht und
- ob ein lückenloser Krankenversicherungsschutz nachgewiesen werden muss.
Holen Sie sich bei Unsicherheit fachkundige Beratung.
Alternative Angebote vergleichen
Prüfen Sie, ob andere Versicherungen einen passenden Tarif anbieten.
Vergleichen Sie nicht nur den Preis.
Achten Sie auch auf:
- Versicherungssumme,
- Selbstbeteiligung,
- Ausschlüsse,
- Zusatzleistungen,
- Laufzeit,
- Kündigungsfrist,
- Kundenservice und
- persönliche Anforderungen.
Ein günstiger Vertrag ist nicht automatisch der bessere Vertrag.
Schriftlich um Erläuterung bitten
Wenn die Erhöhung unklar ist, schreiben Sie an die Versicherung.
Geben Sie an:
- Versicherungsnummer,
- Datum des Schreibens,
- bisheriger Beitrag,
- neuer Beitrag,
- Zeitpunkt der Erhöhung und
- Ihre Fragen.
Bitten Sie um eine nachvollziehbare Erläuterung.
Fragen Sie insbesondere:
- Warum wurde der Beitrag erhöht?
- Welche Vertragsgrundlage gilt?
- Hat sich der Versicherungsschutz verändert?
- Besteht ein Sonderkündigungsrecht?
- Welche Frist gilt?
- Zu welchem Datum kann gekündigt werden?
Bewahren Sie eine Kopie und einen Versandnachweis auf.
Kündigung schriftlich erklären
Wenn Sie kündigen möchten, tun Sie dies möglichst schriftlich und nachweisbar.
Geeignet sind zum Beispiel:
- Brief,
- Einwurf-Einschreiben,
- E-Mail,
- Kundenportal,
- App oder
- anderer von der Versicherung vorgesehener Weg.
Geben Sie an:
- Vorname und Nachname,
- Anschrift,
- Versicherungsnummer,
- betroffenen Vertrag,
- Datum der Beitragserhöhung,
- Hinweis auf das Sonderkündigungsrecht und
- gewünschtes Vertragsende.
Bitten Sie um eine schriftliche Kündigungsbestätigung.
Kündigungsbestätigung prüfen
Wenn die Versicherung Ihre Kündigung bestätigt, kontrollieren Sie:
- Versicherungsnummer,
- betroffenen Vertrag,
- Beendigungsdatum,
- letzte Beitragszahlung,
- mögliche Erstattung,
- weiteren Versicherungsschutz und
- erforderliche nächste Schritte.
Wenn das Datum nicht stimmt, widersprechen Sie schriftlich.
Was tun, wenn die Versicherung die Kündigung ablehnt?
Wenn die Versicherung Ihre Kündigung nicht akzeptiert, bitten Sie schriftlich um eine nachvollziehbare Begründung.
Prüfen Sie:
- Wann ist das Schreiben zur Beitragserhöhung angekommen?
- Wann haben Sie gekündigt?
- Wurde die Monatsfrist eingehalten?
- Liegt ein Versandnachweis vor?
- Hat sich der Versicherungsschutz verändert?
- Wurde das richtige Vertragsende genannt?
- Gelten für die Versicherungsart besondere Regeln?
Holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung.
Beschwerde prüfen
Wenn das Problem nicht geklärt werden kann, prüfen Sie eine Beschwerde.
Mögliche Ansprechpartner sind:
- Beschwerdestelle der Versicherung,
- Versicherungsombudsmann,
- Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht,
- Verbraucherzentrale oder
- Rechtsberatung.
Welche Stelle geeignet ist, hängt von der Versicherung und vom konkreten Problem ab.
Welche Unterlagen sollte man aufbewahren?
Sammeln Sie insbesondere:
- Versicherungsvertrag,
- Versicherungsschein,
- Schreiben zur Beitragserhöhung,
- Briefumschlag,
- frühere Beitragsrechnungen,
- neue Beitragsrechnung,
- Versicherungsnummer,
- eigene Rückfrage,
- Kündigungsschreiben,
- Versandnachweis,
- Eingangsbestätigung,
- Kündigungsbestätigung,
- Vergleichsangebote und
- Antworten der Versicherung.
Was sollte man nicht tun?
- Schreiben nicht ungeprüft abheften.
- Frist für eine mögliche Sonderkündigung nicht verstreichen lassen.
- Nicht nur telefonisch reagieren.
- Versicherung nicht vorschnell kündigen.
- Ersatzversicherungsschutz nicht vergessen.
- Nicht nur den Preis vergleichen.
- Keine Originalunterlagen ohne Grund verschicken.
- Versandnachweise nicht wegwerfen.
- Kündigungsbestätigung nicht ungeprüft abheften.
Wichtig
Diese Seite gibt eine erste Orientierung.
Ob ein Sonderkündigungsrecht besteht und welche Frist gilt, hängt von der Versicherungsart und vom Grund der Beitragserhöhung ab.
Prüfen Sie das Schreiben sorgfältig und holen Sie sich bei Unsicherheit fachkundige Unterstützung.
Kurz zusammengefasst
Vergleichen Sie alten und neuen Beitrag sowie den Umfang des Versicherungsschutzes. Prüfen Sie, warum der Beitrag erhöht wurde. Wenn der Beitrag steigt, ohne dass sich der Versicherungsschutz entsprechend erweitert, kann grundsätzlich ein Sonderkündigungsrecht bestehen. Reagieren Sie schnell und bewahren Sie einen Nachweis über Ihre Kündigung auf.
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