Was tun bei einem Steuerbescheid?

Ein Steuerbescheid ist eine schriftliche Entscheidung des Finanzamts.

Darin steht zum Beispiel:

  • welche Steuer festgesetzt wurde
  • ob Sie Geld nachzahlen müssen
  • ob Sie eine Erstattung erhalten
  • welche Berechnungen das Finanzamt zugrunde gelegt hat
  • ob Vorauszahlungen festgesetzt wurden
  • ob besondere Hinweise oder Fristen gelten

Ein Steuerbescheid sollte immer sorgfältig geprüft werden. Auch wenn das Schreiben kompliziert wirkt, kann man Schritt für Schritt vorgehen.

1. Steuerbescheid vollständig lesen

Achten Sie besonders auf:

  • Ihren Namen und Ihre Anschrift
  • Steuernummer
  • Steuerjahr
  • Art der Steuer
  • festgesetzten Betrag
  • Erstattung oder Nachzahlung
  • Zahlungsfrist
  • Bankverbindung
  • Vorauszahlungen
  • Erläuterungen
  • Rechtsbehelfsbelehrung
  • Datum des Bescheides

Prüfen Sie auch, ob mehrere Seiten dazugehören.

2. Prüfen Sie die wichtigsten Angaben

Vergleichen Sie den Steuerbescheid mit Ihren eigenen Unterlagen.

Fragen Sie sich:

  • Stimmen Name und Adresse?
  • Ist das richtige Steuerjahr genannt?
  • Wurden alle Einnahmen richtig erfasst?
  • Wurden wichtige Ausgaben berücksichtigt?
  • Stimmen die Angaben zu Versicherungen?
  • Wurden Werbungskosten berücksichtigt?
  • Wurden außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt?
  • Wurden Kinder oder andere wichtige Angaben richtig eingetragen?
  • Stimmen bereits geleistete Vorauszahlungen?
  • Ist die Erstattung oder Nachzahlung nachvollziehbar?

3. Erläuterungen genau lesen

Am Ende des Steuerbescheides stehen häufig Erläuterungen.

Dort kann zum Beispiel stehen:

  • welche Angaben nicht anerkannt wurden
  • welche Unterlagen fehlen
  • warum eine Berechnung abweicht
  • ob der Bescheid vorläufig ist
  • ob noch Nachweise eingereicht werden sollen
  • ob besondere Punkte geprüft wurden

Diese Erläuterungen sind wichtig, weil sie oft erklären, warum das Ergebnis anders ist als erwartet.

4. Wenn der Steuerbescheid richtig ist

Wenn Sie den Bescheid geprüft haben und alles nachvollziehbar ist:

  • bewahren Sie den Bescheid sicher auf
  • notieren Sie eine mögliche Zahlungsfrist
  • zahlen Sie eine Nachforderung rechtzeitig
  • prüfen Sie, ob Vorauszahlungen festgesetzt wurden
  • heften Sie den Bescheid zu Ihren Steuerunterlagen

5. Wenn Sie den Steuerbescheid nicht verstehen

Wenn einzelne Punkte unklar sind, können Sie schriftlich beim Finanzamt nachfragen.

Musterformulierung: Bitte um schriftliche Erklärung

Sehr geehrte Damen und Herren,

bezugnehmend auf meinen Steuerbescheid vom ___________________________ bitte ich um eine schriftliche Erklärung zu folgendem Punkt:




Steuernummer: ___________________________
Steuerjahr: ___________________________

Bitte teilen Sie mir mit, wie die Berechnung zustande gekommen ist und ob weitere Unterlagen benötigt werden.

Mit freundlichen Grüßen


Unterschrift

Ja, beim Steuerbescheid ist die Frist grundsätzlich tatsächlich ein Monat. Das steht in § 355 Abgabenordnung: Der Einspruch gegen einen Verwaltungsakt des Finanzamts ist innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe einzulegen. (Gesetze im Internet)

Du hast aber trotzdem völlig recht, dass man bei Gerichtssachen oft viel schneller reagieren muss.

Der wichtige Unterschied

Steuerbescheid vom Finanzamt

Einspruchsfrist: grundsätzlich 1 Monat

Mahnbescheid vom Gericht

Widerspruch: innerhalb von 2 Wochen nach Zustellung (Gesetze im Internet)

Vollstreckungsbescheid vom Gericht

Einspruch: innerhalb von 2 Wochen nach Zustellung (mahngerichte.de)

Deshalb ist deine praktische Regel sehr gut:

Nicht bis zum letzten Tag warten. Am besten innerhalb weniger Tage reagieren.

Für den Text auf Behördenlotse würde ich den Abschnitt etwas verbessern und sicherer formulieren:

6. Wenn Sie mit dem Steuerbescheid nicht einverstanden sind

Wenn Sie der Meinung sind, dass der Steuerbescheid falsch ist, können Sie prüfen, ob ein Einspruch eingelegt werden soll.

Bei einem Steuerbescheid gilt grundsätzlich eine Einspruchsfrist von einem Monat nach Bekanntgabe des Bescheides.

Wichtig: Verwechseln Sie diese Frist nicht mit Fristen bei Gerichtsschreiben. Bei gerichtlichen Mahnbescheiden oder Vollstreckungsbescheiden gelten häufig kürzere Fristen von zwei Wochen.

Reagieren Sie deshalb möglichst nicht erst kurz vor Fristablauf. Prüfen Sie den Bescheid am besten innerhalb weniger Tage und holen Sie bei Unsicherheit frühzeitig fachkundige Hilfe ein.

Prüfen Sie sofort:

  • Datum des Steuerbescheides
  • Datum des Erhalts
  • Rechtsbehelfsbelehrung
  • Fristende
  • betroffene Berechnung
  • eigene Nachweise

Warten Sie nicht bis zum letzten Tag.

Musterformulierung: Einspruch gegen Steuerbescheid

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit lege ich Einspruch gegen den Steuerbescheid vom ___________________________ ein.

Steuernummer: ___________________________
Steuerjahr: ___________________________

Der Einspruch betrifft folgenden Punkt:




Eine ausführliche Begründung und weitere Unterlagen reiche ich nach, falls erforderlich.

Bitte bestätigen Sie mir den Eingang meines Einspruchs schriftlich.

Mit freundlichen Grüßen


Unterschrift

7. Einspruch bedeutet nicht automatisch Zahlungsaufschub

Wichtig: Ein Einspruch gegen einen Steuerbescheid bedeutet nicht automatisch, dass eine geforderte Zahlung vorerst nicht geleistet werden muss.

Wenn Sie eine Zahlung nicht leisten möchten oder aktuell nicht leisten können, sollten Sie zusätzlich prüfen, ob ein Antrag auf Aussetzung der Vollziehung, Stundung oder Ratenzahlung sinnvoll ist.

Ob ein solcher Antrag bewilligt wird, entscheidet das Finanzamt nach Prüfung des Einzelfalls.

8. Einspruch elektronisch über Mein ELSTER

Wer ein Benutzerkonto bei Mein ELSTER hat, kann dort das Formular:

„Einspruch einreichen inklusive Aussetzung der Vollziehung“

verwenden.

Dort können Sie:

  • einen Einspruch einreichen
  • eine Begründung angeben
  • Unterlagen beifügen
  • zusätzlich eine Aussetzung der Vollziehung beantragen

9. Zahlungsfrist beachten

Wenn eine Nachzahlung verlangt wird, achten Sie auf das genaue Fälligkeitsdatum.

Prüfen Sie:

  • Höhe der Nachzahlung
  • Zahlungsfrist
  • Bankverbindung
  • Verwendungszweck
  • Steuernummer
  • mögliche Vorauszahlungen
  • mögliche Säumniszuschläge bei verspäteter Zahlung

Wenn Sie den Betrag nicht sofort zahlen können, reagieren Sie frühzeitig.

10. Nachweis sichern

Bewahren Sie auf:

  • Steuerbescheid
  • eigene Berechnungen
  • Steuererklärung
  • Belege
  • Einspruchsschreiben
  • Versandnachweis
  • Eingangsbestätigung
  • Antwort des Finanzamts
  • Zahlungsbelege

Kurz zusammengefasst

Wenn Sie einen Steuerbescheid erhalten:

  1. Bescheid vollständig lesen
  2. Steuerjahr und Beträge prüfen
  3. Erläuterungen lesen
  4. Zahlungsfrist notieren
  5. eigene Unterlagen vergleichen
  6. bei Unklarheiten schriftlich nachfragen
  7. bei Fehlern Einspruchsfrist prüfen
  8. Einspruch möglichst früh einreichen
  9. beachten: Einspruch stoppt Zahlung nicht automatisch
  10. Bescheid und Nachweise sicher aufbewahren

Hinweis

Diese Seite enthält keine Steuerberatung und keine Rechtsberatung. Sie dient lediglich als Orientierung für einfache Schreiben und Behördengänge. Ob ein Einspruch sinnvoll ist und ob eine Aussetzung der Vollziehung, Stundung oder Ratenzahlung beantragt werden sollte, hängt vom Einzelfall ab. Bei unklaren Bescheiden, hohen Nachzahlungen oder wichtigen Fristen sollte fachkundige Beratung eingeholt werden.

Für einen Einspruch gilt grundsätzlich eine Frist von einem Monat nach Bekanntgabe des Steuerbescheides. Ein Einspruch allein setzt die Vollziehung nicht automatisch aus; dafür ist gegebenenfalls ein gesonderter Antrag erforderlich. Mein ELSTER stellt dafür ein eigenes Formular bereit, mit dem auch Unterlagen beigefügt werden können. (gesetze-im-internet.de)