Eine Rückforderung der Krankenkasse bedeutet, dass die Krankenkasse Geld zurückverlangt oder offene Beträge geltend macht.
Das kann zunächst verunsichern. Wichtig ist, das Schreiben nicht einfach beiseitezulegen und auch nicht vorschnell zu zahlen, wenn unklar ist, wie die Forderung entstanden ist.
Prüfen Sie zuerst genau, worauf sich die Forderung bezieht, welcher Zeitraum betroffen ist und ob der Betrag nachvollziehbar ist.
1. Schreiben vollständig lesen
Achten Sie besonders auf:
- Datum des Schreibens
- Versichertennummer
- Aktenzeichen oder Vorgangsnummer
- Höhe der Forderung
- betroffenen Zeitraum
- Begründung der Rückforderung
- Zahlungsfrist
- mögliche Ratenzahlung oder Zahlungsvereinbarung
- beigefügte Berechnung
- Rechtsbehelfsbelehrung
- Hinweise auf Mahnung oder weitere Schritte
Prüfen Sie auch, ob mehrere Seiten oder Anlagen zum Schreiben gehören.
2. Worum kann es bei einer Rückforderung gehen?
Eine Krankenkasse kann zum Beispiel Geld zurückverlangen, wenn sie der Auffassung ist, dass:
- Krankengeld zu viel gezahlt wurde
- Beiträge noch offen sind
- Beiträge falsch berechnet wurden
- eine Leistung doppelt ausgezahlt wurde
- eine Zahlung irrtümlich erfolgt ist
- sich der Versicherungsstatus rückwirkend geändert hat
- Unterlagen oder Angaben später anders bewertet wurden
- eine frühere Entscheidung aufgehoben oder geändert wurde
Nicht jede Rückforderung ist automatisch richtig. Deshalb sollte die Berechnung sorgfältig geprüft werden.
3. Forderung nachvollziehen
Fragen Sie sich:
- Wofür wird Geld verlangt?
- Welcher Zeitraum ist betroffen?
- Wie wurde der Betrag berechnet?
- Wurde bereits etwas bezahlt?
- Gibt es Kontoauszüge oder Zahlungsbelege?
- Gab es frühere Schreiben oder Bescheide?
- Wurden eigene Angaben richtig berücksichtigt?
- Fehlen möglicherweise Unterlagen?
Suchen Sie ältere Schreiben, Bescheide, Kontoauszüge und Zahlungsnachweise heraus.
4. Wenn die Forderung unklar ist
Wenn Sie nicht verstehen, wie sich der Betrag zusammensetzt, bitten Sie schriftlich um eine genaue Aufstellung.
Musterformulierung: Bitte um nachvollziehbare Aufstellung
Sehr geehrte Damen und Herren,
bezugnehmend auf Ihr Schreiben vom ___________________________ bitte ich um eine nachvollziehbare schriftliche Aufstellung der geltend gemachten Forderung.
Versichertennummer: ___________________________
Aktenzeichen / Vorgangsnummer: ___________________________
Bitte teilen Sie mir mit:
- worauf sich die Forderung bezieht
- welcher Zeitraum betroffen ist
- wie sich der Gesamtbetrag zusammensetzt
- welche Zahlungen bereits berücksichtigt wurden
- auf welcher Grundlage die Rückforderung erfolgt
Mit freundlichen Grüßen
Unterschrift
5. Wenn Sie bereits gezahlt haben
Wenn Sie den Betrag bereits ganz oder teilweise bezahlt haben, suchen Sie die Zahlungsnachweise heraus.
Prüfen Sie:
- Zahlungsdatum
- gezahlter Betrag
- Empfängerkonto
- Verwendungszweck
- Versichertennummer oder Aktenzeichen
Musterformulierung: Zahlung bereits erfolgt
Sehr geehrte Damen und Herren,
bezugnehmend auf Ihr Schreiben vom ___________________________ teile ich mit, dass ich den genannten Betrag bereits ganz beziehungsweise teilweise gezahlt habe.
Versichertennummer: ___________________________
Aktenzeichen / Vorgangsnummer: ___________________________
Zahlungsdatum: ___________________________
Gezahlter Betrag: ___________________________ Euro
Als Nachweis füge ich eine Kopie des Zahlungsbelegs bei.
Bitte prüfen Sie die Zuordnung der Zahlung und teilen Sie mir schriftlich mit, welcher Betrag gegebenenfalls noch offen ist.
Mit freundlichen Grüßen
Unterschrift
6. Wenn Sie mit der Rückforderung nicht einverstanden sind
Wenn Sie einen Bescheid erhalten haben und die Rückforderung für falsch halten, prüfen Sie die Rechtsbehelfsbelehrung.
Bei einem Bescheid der Krankenkasse gilt grundsätzlich eine Widerspruchsfrist von einem Monat nach Bekanntgabe.
Warten Sie trotzdem nicht bis zum letzten Tag. Prüfen Sie das Schreiben möglichst innerhalb weniger Tage.
Musterformulierung: Fristwahrender Widerspruch
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit lege ich Widerspruch gegen Ihren Bescheid vom ___________________________ ein.
Versichertennummer: ___________________________
Aktenzeichen / Vorgangsnummer: ___________________________
Die geltend gemachte Rückforderung ist für mich derzeit nicht nachvollziehbar.
Ich bitte um Übersendung einer vollständigen Berechnung und um Mitteilung der rechtlichen Grundlage der Rückforderung.
Eine ausführliche Begründung und weitere Unterlagen reiche ich nach, falls erforderlich.
Bitte bestätigen Sie mir den Eingang meines Widerspruchs schriftlich.
Mit freundlichen Grüßen
Unterschrift
7. Nicht automatisch davon ausgehen, dass die Zahlung gestoppt ist
Ein Widerspruch bedeutet nicht in jedem Fall automatisch, dass zunächst nichts gezahlt werden muss.
Fragen Sie deshalb bei der Krankenkasse schriftlich nach:
- ob die Forderung trotz Widerspruch fällig bleibt
- ob eine Zahlung vorläufig ausgesetzt werden kann
- welche Frist gilt
- ob weitere Unterlagen benötigt werden
Bei Unsicherheit sollte fachkundige Beratung eingeholt werden.
8. Wenn Sie nicht sofort bezahlen können
Wenn die Forderung nachvollziehbar ist, Sie den Betrag aber nicht auf einmal zahlen können, nehmen Sie möglichst frühzeitig Kontakt mit der Krankenkasse auf.
Fragen Sie schriftlich, ob eine Ratenzahlung oder ein Zahlungsaufschub möglich ist.
Musterformulierung: Bitte um Ratenzahlung
Sehr geehrte Damen und Herren,
bezugnehmend auf Ihr Schreiben vom ___________________________ bitte ich um Prüfung, ob eine Zahlung in monatlichen Raten möglich ist.
Versichertennummer: ___________________________
Aktenzeichen / Vorgangsnummer: ___________________________
Offener Betrag: ___________________________ Euro
Aufgrund meiner derzeitigen finanziellen Situation kann ich den Gesamtbetrag nicht sofort begleichen.
Ich schlage folgende monatliche Rate vor:
Monatliche Rate: ___________________________ Euro
Zahlungsbeginn: ___________________________
Bitte teilen Sie mir schriftlich mit, ob eine Ratenzahlung möglich ist und ob weitere Unterlagen benötigt werden.
Mit freundlichen Grüßen
Unterschrift
9. Schriftlich reagieren und Nachweis sichern
Bewahren Sie auf:
- Rückforderungsschreiben
- Bescheid
- Berechnung
- eigene Antwort
- Zahlungsnachweise
- Kontoauszüge
- Versandnachweis
- Eingangsbestätigung
- Gesprächsnotizen
- spätere Antworten der Krankenkasse
Wenn Sie telefonisch Kontakt aufnehmen, notieren Sie:
- Datum
- Uhrzeit
- Name der Gesprächsperson
- Abteilung
- Inhalt des Gesprächs
- vereinbarte nächste Schritte
Wichtige Aussagen sollten Sie sich möglichst schriftlich bestätigen lassen.
10. Wann sollte man sich Hilfe holen?
Holen Sie sich fachkundige Unterstützung, wenn:
- die Forderung sehr hoch ist
- Krankengeld betroffen ist
- Beiträge für einen längeren Zeitraum nachgefordert werden
- eine Mahnung oder Vollstreckungsankündigung vorliegt
- eine wichtige Frist bald abläuft
- die Berechnung nicht nachvollziehbar ist
- Sie mehrere offene Forderungen haben
- die Krankenkasse Ihren Widerspruch ablehnt
- eine Klage geprüft werden soll
Vor dem Absenden prüfen
☐ Rückforderung vollständig gelesen
☐ Versichertennummer eingetragen
☐ Aktenzeichen geprüft
☐ betroffenen Zeitraum notiert
☐ Berechnung geprüft
☐ alte Schreiben herausgesucht
☐ Kontoauszüge geprüft
☐ Zahlungsnachweise beigefügt, falls vorhanden
☐ Rechtsbehelfsbelehrung gelesen
☐ Frist sofort notiert
☐ eigene Kopie aufbewahrt
☐ Versand- oder Abgabenachweis gesichert
Kurz zusammengefasst
Wenn die Krankenkasse Geld zurückfordert:
- Schreiben vollständig lesen
- Zeitraum und Betrag prüfen
- Berechnung nachvollziehen
- alte Bescheide und Zahlungsnachweise suchen
- bei Unklarheiten schriftlich um Aufstellung bitten
- Rechtsbehelfsbelehrung und Frist prüfen
- bei Bedarf fristwahrend Widerspruch einlegen
- nicht automatisch davon ausgehen, dass ein Widerspruch die Zahlung stoppt
- bei Zahlungsproblemen frühzeitig Ratenzahlung anfragen
- Kopien und Nachweise aufbewahren
Hinweis
Diese Seite enthält keine Rechtsberatung, keine Schuldnerberatung und keine Sozialberatung. Sie dient lediglich als Orientierung für einfache Schreiben und Behördengänge. Ob eine Rückforderung berechtigt ist, ob ein Widerspruch sinnvoll ist und ob eine Ratenzahlung möglich ist, hängt vom Einzelfall ab. Bei hohen Forderungen, wichtigen Fristen oder unklaren Bescheiden sollte fachkundige Beratung eingeholt werden.
Bereits erbrachte Sozialleistungen können nach § 50 SGB X zurückgefordert werden, wenn die zugrunde liegende Entscheidung aufgehoben wurde oder Leistungen ohne Verwaltungsakt zu Unrecht erbracht wurden. Für einen Widerspruch gegen einen Bescheid gilt grundsätzlich eine Frist von einem Monat nach Bekanntgabe. Ob ein Widerspruch die Zahlung zunächst stoppt, hängt vom jeweiligen Fall ab; das Sozialgerichtsgesetz enthält sowohl den Grundsatz der aufschiebenden Wirkung als auch Ausnahmen. (gesetze-im-internet.de)