Wenn eine Versicherung bereits gezahltes Geld zurückfordert, sollte das Schreiben nicht ignoriert werden.
Lesen Sie die Rückforderung sorgfältig durch. Prüfen Sie, warum Geld zurückverlangt wird, für welchen Zeitraum die Forderung gilt und wie hoch der Betrag ist.
Zahlen Sie eine unklare Forderung nicht vorschnell. Bitten Sie schriftlich um eine vollständige und nachvollziehbare Berechnung.
Warum kann eine Versicherung Geld zurückfordern?
Eine Rückforderung kann unterschiedliche Gründe haben.
Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn:
- eine Leistung versehentlich doppelt ausgezahlt wurde,
- ein Betrag falsch berechnet wurde,
- eine Zahlung nachträglich korrigiert werden soll,
- wichtige Angaben fehlen,
- falsche oder unvollständige Angaben gemacht wurden,
- eine andere Stelle ebenfalls gezahlt hat,
- eine Leistung nach Auffassung der Versicherung nicht vom Vertrag gedeckt war,
- ein Schaden geringer ausgefallen ist als zunächst angenommen,
- ein Vorschuss höher war als die endgültige Leistung oder
- die Versicherung einen anderen Grund nennt.
Prüfen Sie genau, welche Begründung im Schreiben steht.
Schreiben vollständig lesen
Achten Sie besonders auf folgende Punkte:
- Name der Versicherung,
- Versicherungsnummer,
- Schadennummer, falls vorhanden,
- Datum des Schreibens,
- Höhe der Rückforderung,
- betroffener Zeitraum,
- genannte Begründung,
- Zahlungsfrist,
- Bankverbindung,
- Verwendungszweck,
- mögliche Mahnkosten und
- zuständige Ansprechperson.
Bewahren Sie das Schreiben und den Briefumschlag gut auf.
Notieren Sie, an welchem Tag der Brief angekommen ist.
Berechnung anfordern
Wenn die Forderung nicht verständlich ist, bitten Sie schriftlich um eine genaue Aufstellung.
Fragen Sie insbesondere:
- Welche Zahlung soll zurückgezahlt werden?
- Wann wurde diese Zahlung geleistet?
- Für welchen Schaden oder Vertrag wurde gezahlt?
- Warum soll die Zahlung nicht oder nicht vollständig berechtigt gewesen sein?
- Wie setzt sich der geforderte Betrag zusammen?
- Welche Unterlagen wurden berücksichtigt?
- Welche Vertragsregelung wird angewendet?
- Wurden bereits geleistete Rückzahlungen berücksichtigt?
- Wurden Selbstbeteiligung, Vorschüsse oder andere Zahlungen richtig verrechnet?
Bitten Sie um eine schriftliche und nachvollziehbare Berechnung.
Frühere Unterlagen vergleichen
Vergleichen Sie die Rückforderung mit Ihren eigenen Unterlagen.
Prüfen Sie insbesondere:
- Versicherungsvertrag,
- Versicherungsschein,
- frühere Schreiben,
- Schadenmeldung,
- Leistungsabrechnung,
- Kontoauszüge,
- Zahlungsbelege,
- Rechnungen,
- Gutachten,
- Kostenvoranschläge und
- Schriftverkehr mit der Versicherung.
Notieren Sie alle Punkte, die nicht übereinstimmen.
Kontoauszüge prüfen
Prüfen Sie, welche Zahlungen tatsächlich eingegangen sind.
Achten Sie auf:
- Datum,
- Betrag,
- Absender,
- Verwendungszweck,
- mögliche Doppelzahlung,
- bereits erfolgte Rückzahlung und
- weitere Zahlungen anderer Stellen.
Wenn Sie einen Kontoauszug als Nachweis einreichen, schwärzen Sie alle Buchungen, die mit der Angelegenheit nichts zu tun haben.
Was tun bei einer Doppelzahlung?
Wenn eine Leistung versehentlich doppelt ausgezahlt wurde, prüfen Sie:
- Welche Beträge wurden überwiesen?
- An welchen Tagen erfolgten die Zahlungen?
- Wurde tatsächlich derselbe Schaden zweimal bezahlt?
- Wurde eine Zahlung vielleicht für einen anderen Vorgang geleistet?
- Wurde bereits ein Betrag zurücküberwiesen?
Bitten Sie bei Unklarheiten schriftlich um Zuordnung der Zahlungen.
Was tun, wenn eine andere Stelle ebenfalls gezahlt hat?
Bei bestimmten Schäden können auch andere Stellen Leistungen erbracht haben.
Das kann zum Beispiel betreffen:
- andere Versicherung,
- Unfallgegner oder dessen Versicherung,
- Arbeitgeber,
- Krankenkasse,
- Pflegekasse,
- Rentenversicherung,
- Sozialleistungsträger oder
- andere Stelle.
Prüfen Sie, ob tatsächlich eine doppelte Erstattung vorliegt.
Teilen Sie der Versicherung sachlich mit, welche Zahlungen erfolgt sind.
Was tun, wenn Angaben angeblich falsch oder unvollständig waren?
Wenn die Versicherung behauptet, dass Angaben falsch oder unvollständig waren, prüfen Sie:
- Welche Angabe soll falsch gewesen sein?
- Wann wurde die Angabe gemacht?
- Welche Frage wurde gestellt?
- Welche Unterlagen wurden eingereicht?
- Wurden Informationen möglicherweise missverstanden?
- Gibt es Kopien des Antrags oder der Schadenmeldung?
- Wurde später etwas ergänzt?
Bitten Sie schriftlich um eine genaue Erklärung.
Senden Sie geeignete Nachweise mit.
Was tun, wenn die Rückforderung falsch erscheint?
Wenn Sie die Forderung nicht nachvollziehen können, widersprechen Sie schriftlich.
Geben Sie an:
- Versicherungsnummer,
- Schadennummer,
- Datum des Rückforderungsschreibens,
- geforderten Betrag,
- betroffenen Zeitraum,
- kurze Begründung Ihres Widerspruchs und
- beigefügte Nachweise.
Bitten Sie um erneute Prüfung.
Bewahren Sie eine Kopie Ihres Schreibens und einen Versandnachweis auf.
Zahlungsfrist beachten
Ignorieren Sie die gesetzte Zahlungsfrist nicht.
Auch wenn Sie die Forderung beanstanden, sollten Sie rechtzeitig schriftlich reagieren.
Bitten Sie darum, bis zur abschließenden Prüfung:
- keine Mahnkosten zu berechnen,
- keine weiteren Schritte einzuleiten und
- die Zahlungsfrist auszusetzen oder angemessen zu verlängern.
Lassen Sie sich eine Antwort schriftlich bestätigen.
Was tun, wenn die Forderung richtig ist?
Wenn die Rückforderung nachvollziehbar und berechtigt ist, beachten Sie die Zahlungsfrist.
Überweisen Sie den Betrag an die im Schreiben genannte Bankverbindung.
Geben Sie unbedingt an:
- Versicherungsnummer,
- Schadennummer,
- Verwendungszweck und
- gegebenenfalls Aktenzeichen.
Bewahren Sie den Überweisungsbeleg auf.
Was tun, wenn der Betrag nicht sofort bezahlt werden kann?
Wenn Sie den Betrag nicht vollständig auf einmal bezahlen können, nehmen Sie möglichst frühzeitig schriftlich Kontakt mit der Versicherung auf.
Bitten Sie um Prüfung, ob möglich ist:
- Ratenzahlung,
- Stundung,
- verlängerte Zahlungsfrist oder
- anderer realistischer Zahlungsplan.
Schlagen Sie nur Raten vor, die Sie voraussichtlich einhalten können.
Ein Anspruch auf Ratenzahlung besteht nicht automatisch.
Treffen Sie Vereinbarungen möglichst schriftlich.
Was tun bei einer Mahnung?
Wenn bereits eine Mahnung eingegangen ist, reagieren Sie sofort.
Prüfen Sie:
- Höhe der Forderung,
- Zahlungsfrist,
- Mahnkosten,
- Versicherungsnummer,
- Schadennummer,
- bereits geleistete Zahlungen und
- Kontaktdaten für Rückfragen.
Wenn Sie bereits widersprochen oder gezahlt haben, senden Sie einen Nachweis.
Beschwerdestelle der Versicherung nutzen
Wenn die Rückforderung trotz Ihrer schriftlichen Anfrage unklar bleibt, wenden Sie sich an die interne Beschwerdestelle der Versicherung.
Geben Sie an:
- Versicherungsnummer,
- Schadennummer,
- Datum des Rückforderungsschreibens,
- geforderten Betrag,
- bisherige Schreiben,
- beigefügte Nachweise und
- gewünschte Lösung.
Bewahren Sie eine Kopie und einen Versandnachweis auf.
Versicherungsombudsmann prüfen
Wenn keine Lösung gefunden wird, kann bei vielen Versicherungen ein Schlichtungsverfahren beim Versicherungsombudsmann geprüft werden.
Das Verfahren ist für Verbraucher grundsätzlich kostenfrei.
Prüfen Sie vorher, ob die Versicherung am Verfahren teilnimmt und ob Ihr Fall geeignet ist.
Reichen Sie möglichst ein:
- Rückforderungsschreiben,
- Versicherungsvertrag,
- Versicherungsschein,
- eigene Antwort,
- Antworten der Versicherung,
- Berechnung,
- Kontoauszüge,
- Zahlungsnachweise und
- weitere wichtige Unterlagen.
BaFin-Beschwerde prüfen
Zusätzlich kann geprüft werden, ob eine Beschwerde bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sinnvoll ist.
Eine Beschwerde ersetzt jedoch keine persönliche Rechtsberatung und keine notwendigen rechtlichen Schritte.
Bei einer hohen Forderung sollten Sie fachkundige Hilfe einholen.
Fachkundige Hilfe einholen
Holen Sie sich Unterstützung, wenn:
- ein hoher Betrag zurückgefordert wird,
- die Berechnung unklar bleibt,
- die Versicherung mit weiteren Schritten droht,
- bereits eine Mahnung eingegangen ist,
- falsche Angaben behauptet werden,
- mehrere Versicherungen oder andere Stellen beteiligt sind,
- die Angelegenheit kompliziert ist oder
- eine rechtliche Auseinandersetzung droht.
Mögliche Ansprechpartner sind:
- Verbraucherzentrale,
- Versicherungsombudsmann,
- Rechtsberatung,
- Rechtsanwaltskanzlei für Versicherungsrecht,
- Schuldnerberatungsstelle oder
- andere geeignete Beratungsstelle.
Welche Unterlagen sollte man aufbewahren?
Sammeln Sie insbesondere:
- Rückforderungsschreiben,
- Briefumschlag,
- Versicherungsvertrag,
- Versicherungsschein,
- Versicherungsnummer,
- Schadennummer,
- Schadenmeldung,
- frühere Leistungsabrechnung,
- Kontoauszüge,
- Zahlungsbelege,
- Rechnungen,
- Gutachten,
- eigene Antworten,
- Schriftverkehr,
- Mahnungen,
- Vereinbarung über Ratenzahlung,
- Eingangsbestätigungen und
- Versandnachweise.
Was sollte man nicht tun?
- Rückforderung nicht ignorieren.
- Unklare Forderung nicht vorschnell bezahlen.
- Zahlungsfrist nicht einfach verstreichen lassen.
- Nicht nur telefonisch reagieren.
- Keine Originalunterlagen ohne Grund verschicken.
- Kontoauszüge nicht vollständig ungeschwärzt versenden.
- Versicherungsnummer und Schadennummer nicht vergessen.
- Keine unrealistischen Raten versprechen.
- Mahnungen nicht ungeprüft liegen lassen.
- Versandnachweise und Zahlungsbelege nicht wegwerfen.
Wichtig
Diese Seite gibt eine erste Orientierung.
Ob eine Rückforderung berechtigt ist und welche Schritte notwendig sind, hängt vom Versicherungsvertrag, von der Zahlung und vom Einzelfall ab.
Prüfen Sie die Forderung sorgfältig und bitten Sie bei Unklarheiten schriftlich um eine nachvollziehbare Berechnung.
Kurz zusammengefasst
Lesen Sie die Rückforderung vollständig durch. Prüfen Sie Betrag, Zeitraum, Begründung und frühere Zahlungen. Bitten Sie bei Unklarheiten schriftlich um eine genaue Berechnung und legen Sie geeignete Nachweise bei. Wenn die Forderung berechtigt ist, Sie aber nicht sofort vollständig zahlen können, fragen Sie frühzeitig nach einer Ratenzahlung oder Stundung.
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Der Musterbrief kann heruntergeladen, ausgefüllt und an die Versicherung geschickt werden.
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